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Vom „Crash-Muster“ zur inneren Balance





Was meine Fitnessuhr mit F.M. Alexander zu tun hat


Kennen Sie das auch? Eine neue Sportart macht unglaublich viel Spaß, die Energie ist da und Sie legen voller Elan los. Ganz viel Sport, ganz viel Bewegung, das Gefühl ist großartig – bis plötzlich der Einbruch kommt. Ein totaler Crash, weil es schlichtweg zu viel war. Es folgt eine erzwungene Pause. Sobald die Batterien wieder halbwegs aufgeladen sind, packt einen die Motivation erneut, man gibt wieder Vollgas und... Sie ahnen es schon: Der nächste Crash lässt nicht lange auf sich warten.

Dieses Muster begleitete mich über eine lange Zeit. Kontinuierlich und gleichmäßig an einer Sache dranzubleiben – „Consistency“, wie es heute so schön heißt –, fiel mir unheimlich schwer. Grundsätzlich ist die Tendenz, viel machen zu wollen, ja etwas Positives. Sie zeugt von Lebensfreude, Tatkraft und Begeisterung. Mein Problem war jedoch ein anderes: Mir fehlte das feine Bewusstsein dafür, wann die Dynamik kippt. Wann ist es genug? Wann muss ich erst einmal abwarten und beobachten, wie sich eine Aktivität auf meinen Organismus auswirkt, um dann klug entscheiden zu können, ob und wie ich weitermache?

„You should stop when things are going well.“ > (Man sollte aufhören, wenn es gerade am besten läuft.)

Um dieses tief sitzende Muster nachhaltig zu verändern, ist ein Element für mich zentral geworden: Das bewusste Stoppen. Genau in dem Moment, in dem es am schönsten ist, innezuhalten, bevor das System überlastet. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn unser subjektives Gefühl kann extrem trügerisch sein. Wer kennt nicht den inneren Dialog: „Ach, die zehn Kilometer kann ich jetzt auch noch eben mit dem Rad dranhängen“?


Die Fitnessuhr als moderner Spiegel des Körpers

Um eine verlässliche Brücke zwischen meinem oft trügerischen Gefühl und der biologischen Realität zu schlagen, habe ich vor einiger Zeit begonnen, objektive Daten in mein Leben einzuladen. Meine Garmin-Fitnessuhr sammelt kontinuierlich Werte wie die Herzfrequenzvariabilität (HRV), den Ruhepuls, die „Body Battery“ und den Schlaf-Score. Diese Daten schenken mir einen unbestechlichen Einblick darin, wie sich meine täglichen Aktivitäten tatsächlich auf meinen Körper auswirken.

Heute sagt mir die Uhr morgens, wie trainingsbereit ich wirklich bin. Auf dieser Basis entscheide ich, ob und wie hart ich heute trainiere oder arbeite. Tagsüber erinnert sie mich an dringend notwendige Erholungsmomente, wenn ich im Eifer des Gefechts mal wieder die Pausen vergessen habe. Besonders faszinierend: Anhand der Daten sehe ich schwarz auf weiß, wie sehr mich beispielsweise Gruppentreffen anstrengen – selbst wenn ich sie sehr mag und sie mir mentale Freude bereiten. Mein Körper reagiert unabhängig von meiner gedanklichen Begeisterung.


Die Re-Kalibrierung des eigenen Gefühls

Bedeutet das, dass ich meine Autonomie an ein technisches Gerät abgegeben habe? Keineswegs. Ich nutze die Daten, um sie mit meinem Körpergefühl abzugleichen. Ich frage mich regelmäßig: Passt das, was ich fühle, zu dem, was die Uhr mir zeigt?

Durch diesen Prozess findet eine wunderbare Re-Kalibrierung des Gefühls statt. Das ist genau der Punkt, an dem die Brücke zur Alexander-Technik schlägt. Viele von uns merken im Alltag überhaupt nicht mehr, wie gestresst oder angespannt sie eigentlich sind. Der stressige Zustand ist zum persönlichen „Normalnull“, zum Dauerzustand geworden.

Das gilt für das Nervensystem genauso wie für die Muskulatur: Erst wenn ein Muskel die Erlaubnis bekommt, wirklich loszulassen und zu entspannen, wird uns im Kontrast überhaupt erst bewusst, wie chronisch angespannt er vorher die ganze Zeit war.

Ein plastisches Beispiel ist das Laufen: Wenn ich es gewohnt bin, immer mit einer bestimmten Wohlfühl-Geschwindigkeit zu laufen, dann laufe ich eben immer so. Wenn mir die Uhr dann spiegelt, dass mein Puls dabei permanent über 150 Schlägen pro Minute liegt, weiß ich, dass ich mich eigentlich im roten Bereich bewege. Das gibt mir zum ersten Mal die Chance, das Tempo bewusst zu drosseln, nach Puls zu trainieren und die völlig neue Erfahrung zu machen, wie es sich anfühlt, mit einem entspannten Puls von 120 zu laufen. Das mag sich anfangs lächerlich langsam vorkommen – aber genau das ist die Geschwindigkeit, die unser Körper für ein gesundes Grundlagenausdauertraining benötigt.


Der Tag bestimmt die Nacht

Unser Organismus ist ein hochkomplexes System, in dem Bewegung, Ernährung, Stress und Schlaf in permanenten Wechselwirkungen zueinander stehen. Anhand der HRV-Werte und der Schlafanalyse lässt sich präzise ablesen, wie stark Faktoren wie Alkohol, Koffein, ein spätes, schweres Abendessen oder die Bildschirmzeit vor dem Zubettgehen die Schlafqualität ruinieren.

Wie viele Menschen klagen heute darüber, dass sie schlecht schlafen? Wenn man an der Schlafqualität etwas ändern will, wird bei genauerer Betrachtung schnell klar: Der Tag bestimmt die Nacht. Wenn der Tag lückenlos durchgetaktet ist und keine Räume zum Durchatmen bietet, können Kopf und Körper abends nicht einfach per Knopfdruck herunterfahren. Wer besser schlafen will, profitiert von moderatem Ausdauertraining (oder einem Spaziergang) am Nachmittag, leichtem Essen, dem Verzicht auf abendlichen Alkohol und bewussten Pausen über den Tag verteilt, um das allgemeine Stresslevel im Körper zu reduzieren.


Was F.M. Alexander in seinen Spiegeln sah

Doch nur wenige Menschen beschäftigen sich mit diesen tieferen Zusammenhängen. Die wenigsten fragen sich: „Was mache ich selbst, das dazu beiträgt, dass ich schlecht schlafe oder chronisch verspannt bin?“

Genau das war die Kernfrage, die sich Frederick Matthias Alexander stellte, als er unter seinen wiederkehrenden Stimmproblemen litt. Er gab sich nicht mit den bloßen Symptomen ab, sondern kam auf den damals revolutionären Gedanken, dass er selbst durch die Art und Weise, wie er sprach und rezitierte, aktiv zu seinem Problem beitrug. Er erkannte: Wenn er selbst der Verursacher des Musters war, dann lag darin auch die Freiheit, dieses unbewusste Tun zu stoppen (Inhibition) und das Problem an der Wurzel zu lösen.

Da das eigene Gefühl („die gewohnte Wahrnehmung“) ihn täuschte, suchte er nach objektivem Feedback von außen und baute Spiegel auf, um sich unvoreingenommen zu beobachten.

Meine Fitnessuhr ist für mich heute genau das: ein moderner, digitaler Spiegel. Sie schenkt mir objektive Einblicke und ein Feedback von außen über meine Gewohnheiten und meine Art, die Dinge zu tun. Dieses Feedback gibt mir die Freiheit, innezuhalten, Muster zu verändern und achtsam zu prüfen, wie sich diese Veränderungen auswirken.


Kein Rezept, sondern Ihr persönliches Maß

Wir Menschen sind alle unterschiedlich. Es gibt kein allgemeingültiges „Rezept“, nach dem wir unser Leben oder unsere Gesundheit optimieren können. Was dem einen leichtfällt – das Loslassen und Runterfahren –, erfordert bei der anderen Person bewusste Übung, Struktur und Zeit.

Am Ende geht es in der Alexander-Technik wie auch im gesunden Umgang mit dem eigenen Körper darum, für sich ganz persönlich das richtige, lebendige Maß an Anspannung und Entspannung herauszufinden. Nicht im Dauer-Aktivismus zu verharren, sondern zu lernen, im richtigen Moment innezuhalten.


Probieren Sie es aus: Stoppen Sie auch wenn es sich gerade richtig gut anfühlt. Vielleicht war es genau richtig? Wie viel mehr hätte es sein können? Oft merken wir das erst etwas später.

 
 
 

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